Christan Batz verantwortet die Digitalisierung des motion plastics Spezialisten igus sowohl national als auch international. In seinen Tätigkeitsbereich als Vice President Digital fallen digitale Geschäftsmodelle wie auch Geschäftsfeldentwicklung, die Automatisierung von Prozessen, Online Marketing und Change Management im Umfeld von Industrie 4.0. Wir haben den Vordenker der #21digital befragt.

Herr Batz, Sie sind Vice President bei der igus GmbH, was sind Ihre Kernaufgaben? Wie kann man sich Ihren Alltag vorstellen?

Meine Kernaufgabe ist einfach beschrieben: die Digitalisierung des Unternehmens. Im Wesentlichen kümmere ich mich darum, dass unsere technischen Infrastrukturen  und Softwaresysteme funktionieren und deren Einsatzbereiche kontinuierlich optimiert werden. Das ist der technische Aspekt. Die größere Herausforderung und Aufgabe liegt im Organisatorischen. Ein digitales Unternehmen sieht anders aus als ein klassisch organisiertes Unternehmen.
Agilität ist hier das Stichwort. Für uns bedeutet das, dass wir in kurzen Zyklen Mehrwert generieren und dafür sehr viel Selbstbestimmung in die einzelnen Teams geben, crossfunktionales Arbeiten fördern und uns hinsichtlich unseres Know-hows breiter aufstellen. Unser strategisches Ziel ist es, uns so zu entwicklen, dass Flexibilität an erster Stelle steht. Dann können wir auch in Zukunft wettbewerbsfähig sein. 
Wesentliche Basis ist für uns, ein agiles Mindset zu etablieren. Selbstverantwortliche Teams gewährleisten eine hohe Identifikation und Motivation, so dass  echtes Commitment entsteht. Das fällt dem einen sicherlich leichter, dem anderen schwerer. 

„Disrupt and Sustain – Strategies and Technologies in Times of Digital Darwinism“ lautet das Thema unserer nächsten #21digital. Welche Technologien setzen Sie bei igus ein, und welchen Impact haben sie auf Ihr Geschäftsmodell? 

Wir haben hier einen riesigen Zoo an Technologien – von alten bis hin zu neuen. Wir sind bestrebt Technologie gezielt einzusetzen, um die Digitalisierung und Automatisierung stetig voranzutreiben. Hierzu nutzen wir beispielsweise Ansätze wie Continuous Deployment oder Contunious Integration. Natürlich nutzen wir auch Technologien, um unsere Nicht-IT-Prozesse zu steuern und zu automatisieren. Insgesamt haben wir eine sehr dynamische Entwicklung hinter uns, aber auch vor uns. 

Wie gewährleisten Sie Innovation in Ihrem Unternehmen, und wie bringen Sie das Thema Ihren Mitarbeitern nahe?

Wenn wir von der gesamten igus-Kultur ausgehen, sind wir sehr von Innovation geprägt. Wir gehören zu den Top 20 der innovativsten Unternehmen in Deutschland. Wir haben jedes Jahr zwischen 100 und 200 Produktneuheiten, die wir präsentieren. Das basiert stark auf einer Ausprobierkultur auf allen Ebenen. Jeder ist bei uns angehalten, Dinge zu hinterfragen und Vorschläge zu machen. Uns ist klar, dass am Ende vieles nicht funktionieren wird, aber das ist dann eventuell die Vorstufe zu einer neuen Idee, die erfolgreich ist. Das Lernen, Ausprobieren, aber auch mal Scheitern im Sinne von Fail Fast, gehört seit langem zu unserer Kultur.

Welche Faktoren, Eigenschaften und/oder Fähigkeiten sichern Ihrer Meinung nach einem Unternehmen dauerhaften Erfolg?

Das ständige Lernen ist meiner Meinung nach elementar. Das verknüpfe ich mit Flexibilität und daraus wächst dann eben auch Innovation. Dies gehört für mich zusammen. Wir orientieren uns immer am Markt, probieren Dinge aus und lernen daraus. Das erfordert regelmäßig unsere Bereitschaft, dies immer wieder zu tun und nicht zu verharren. 

Was denken Sie: Sind es heute und in Zukunft immer nur Technologien, die zu Disruption führen können?

Gute Frage! Ich denke, das ist so. Natürlich muss die Technologie immer in einem vernünftigen und kreativen Rahmen ausprobiert werden, damit das disruptive Potenzial gehoben werden kann. Aber ich glaube, ganz ohne Technologie wird es schwierig – die spielt immer eine Rolle.

Danke für das Interview, Herr Batz.